15.09.2013 19:19
Familienrecht, Steuerrecht

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Steuerliche Absetzbarkeit von Scheidungskosten

Kosten einer Ehescheidung in vollem Umfang steuerlich absetzbar

Eine Ehescheidung tut nicht nur weh, sondern bringt häufig auch erhebliche Kosten mit sich. Die mit einer Ehescheidung zusammenhängenden Gerichts- und Anwaltskosten können nach einer Entscheidung des Finanzgerichts Düsseldorf nunmehr in vollem Umfang steuerlich in Abzug gebracht werden.
Rechtsanwalt Familienrecht & Fachanwalt Steuerrecht: Steuerliche Abzugsfähigkeit von Ehescheidungskosten

Gerichts- und Anwaltskosten sind bei Ehescheidung in vollem Umfang steuerlich abzugsfähig

(Urteil des FG Düsseldorf vom 19. Februar 2013, Az.: 10 K 2392/12 E)

Der Fall: Finanzamt erkannte nur die Kosten für Ehescheidung und Versorgungsausgleich steuerwirksam an

Einen Betrag in Höhe von insgesamt 8.195 Euro hatte der nunmehr geschiedene Ehepartner an Gerichts- und Anwaltskosten für die Scheidung der Ehe aufgewandt. Die Kosten betrafen nicht nur die eigentliche Ehescheidung, sondern auch die Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Versorgungsausgleich, dem Zugewinnausgleich und dem nachehelichen Unterhalt. Das Finanzamt erkannte die Kosten nur insoweit steuerwirksam an, als sie auf die Ehescheidung und den Versorgungsausgleich entfielen. Soweit die Aufwendungen auf die Regelung der Vermögensauseinandersetzung (Zugewinnausgleich) und der Unterhaltsansprüche entfielen, ließ das Finanzamt sie nicht zum Abzug zu.

Die Entscheidung

Das Finanzgericht Düsseldorf hat mit Urteil vom 19. Februar 2013 hingegen zugunsten des Steuerpflichtigen die gesamten Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung i.S.d. § 33 des Einkommensteuergesetzes steuerwirksam zum Abzug zugelassen. Eine Ehescheidung kann nur gerichtlich und mit Hilfe von Rechtsanwälten erfolgen. In dem Gerichtsverfahren müssen regelmäßig auch Regelungen zum Versorgungsausgleich, dem Zugewinn und den Unterhaltsansprüchen getroffen werden. Den damit zusammenhängenden Kosten können sich die Ehepartner nicht entziehen. Dabei spielt es keine Rolle, dass Teilbereiche einer Scheidung nur durch Urteil, andere Teile hingegen auch durch einen Vergleich zwischen den Ehepartnern geregelt werden können.

Mit der vorgenannten Entscheidung stellt sich das FG zugleich gegen einen sogenannten Nichtanwendungserlass der Finanzverwaltung vom 20.12.2011 (Bundesministerium der Finanzen, Schreiben vom 20.12.2011, Bundessteuerblatt I 2011, 1286). Danach lässt die Finanzverwaltung bei Ehescheidungen einen vollständigen Abzug der Zivilprozesskosten nicht zu.

Relevanz für die Praxis

Mit der Entscheidung schafft das FG eine dringend benötigte und verlässliche Argumentationshilfe, um gegenüber den Finanzämtern die steuerliche Geltendmachung von Gerichts- und Anwaltskosten durchzusetzen. Die Entscheidung überzeugt in ganzer Linie, war doch die bisherige Praxis der Finanzämter, einschließlich des Nichtanwendungserlasses der Finanzverwaltungen eher willkürlich und wenig nachvollziehbar. 

Ihr Rechtsanwalt für Steuerrecht prüft Ihre Einkommensteuerbescheide macht die möglichen außergewöhnlichen Belastungen i.S.d. § 33 EStG für Sie gegenüber dem Finanzamt und wenn nötig auch vor den Finanzgerichten geltend.